Sechs Monate Monrose – Zeit für eine Zwischenbilanz

Es wird eine andere Art der Zwischenbilanz werden – ohne Zahlen, die ohnehin bekannt sein dürften. 23. November 2006. Wieder eine neue Casting-Band als Ergebnis einer der zahlreichen Casting-Shows, die uns das Leben am Fernseher versüßen sollen. Wieder ein kurzlebiges Produkt aus dem Hause Pro7 mit einem geplanten Haltbarkeitsdatum von wenigen Monaten. So las es sich zu Beginn der Karriere der Gruppe Monrose in vielen Presseberichten. Zweifel standen oft im Vordergrund, auch innerhalb der Fan-Foren. Waren es wirklich die richtigen Personen, für die man sich bei der Bandzusammensetzung entschieden hat? Viele Zweifel bezogen sich insbesondere auf die Person Senna. Aber auch Mandy blieb nicht verschont. Kann das "Küken"den enormen Druck aushalten. Wird die Band bereits nach wenigen Monaten wegen interner Reibereien platzen? Es folgte die Comeback-Ankündigung der No Angels. Die Reaktion der Presse und vieler Fans: "Jetzt kann Monrose einpacken", "Game over". Doch es sollte ganz anders kommen, denn die Band Monrose, bestehend aus Mandy Grace Capristo (17), Senna Guemmour (27) und Bahar Kizil (18) ist einzigartig. Besonders ist aber das Umfeld der Band. Zur Band: Mit Monrose ist es gelungen, ein völlig eigenständiges Produkt ins Leben zu rufen – keine Kopie der No Angels oder eine Low-Cost-Version der Pussycat Dolls oder Sugababes. Diese Kombination von Stimmen und Charakteren, die in ihren Gesangs-Parts gleichberechtigt auf der Bühne agieren, gab es bisher noch nicht. Man benötigt keine übertriebenen Choreos, um von stimmlichen Unzulänglichkeiten abzulenken. Jede für sich gehört gesanglich zur absoluten Spitze dessen, was das deutsche Pop-Business zu bieten hat. Selbst vor internationalen Größen braucht man sich nicht zu verstecken. Gute Musik gibt es reichlich am Markt. Doch diese drei Mädels scheinen den Schlüssel zu den Gefühlen der Zuhörer gefunden zu haben. Songs wie "Shame", "Even Heaven Cries" oder "Love Don´t Come Easy" sprechen an, berühren, gehen direkt ins Herz, wobei sich Bahar, die mit ihrem Lächeln und der Stimme fast jeden Zuhörer/Zuschauer verzaubert, als wahre Meisterin der Emotionen herausgestellt hat. Aber auch eine Mandy soll genannt sein, die mit einem enormen Stimmvolumen Akzente setzt und manchem skeptischen Zuhörer das schiere Erstaunen ist Gesicht treibt. Negativpresse, Kampfansagen von Bushido, Enttäuschungen bei verschiedenen Preisverleihungen – das haut doch den stärksten Elefanten um. Nein - nicht Monrose! Die Gruppe zeichnet sich durch einen enormen Zusammenhalt aus. Der Beobachter erhält das Gefühl, dass die Mädels durch jedes Gerücht, durch jeden schlechten Pressebericht nur noch mehr aufgebaut werden. Im Vordergrund scheint die Einstellung zu stehen: "Jetzt erst recht!". Monrose antwortet nicht mit Presseschlachten. Man antwortet dort, wo es zählt, auf der Bühne, bei den Fans – und zwar durch Qualität. Hierfür ist die Tour ein perfektes Beispiel, die selbst nach Pressemeinungen "sensationell" ist. Worauf ist dieses sicherlich nicht selbstverständlich Denk- und Handlungsmuster der Band zurückzuführen? Der Versuch einer Erklärung: Hier haben sich, ungeachtet des Alters, drei starke Persönlichkeiten gefunden, die ein gemeinsames Ziel verfolgen, die gelernt haben, einander zu respektieren und einander zu helfen. Mit Senna ist eine Person im Team, die die Rolle des Leit(d)-wolfes dankbar angenommen hat und sie mit Bravour ausübt, indem sie den Druck von den jüngeren Bandmitgliedern teilweise abhält und bewußt auch die Schmutzarbeit übernimmt (siehe Streit Monrose-Bushido-Bisou). Senna, Mandy und Bahar wissen um ihre herausragenden gesanglichen Qualitäten, bleiben aber dennoch am Boden. Stargehabe sucht man vergebens. Sie verstehen das Spiel mit den Zuschauern wie alte Show-Hasen. Boris Becker bezeichnete den Rasen von Wimbledon einmal als sein Wohnzimmer. Würde eine entsprechende Frage den Mädels gestellt, so wäre die Antwort vermutlich einstimmig: Die Bühne, denn dort leben wir unseren Traum. Aus dieser inneren Einstellung heraus beziehen sie die Kraft. Die Fans: Auch wenn es die Presse noch nicht erkennen will, die Fangemeinde von Monrose ist von der Altersstruktur her sehr breit gefächert. Der Begriff "Kidi-Band" mag auf viele Bands zutreffen – auf Monrose sicherlich nicht. Über 10000 Fans sind in diversen Fan-Foren organisiert. Die Zahl wächst stetig. Die Treue der Fans ist ungewöhnlich hoch. Es herrscht eben nicht der Gedanke vor "heute Monrose, morgen Bisou, übermorgen XYZ". Auch dies ist nicht selbstverständlich in unserer schnellebigen Zeit. Das Besondere ist aber, dass die Fans "aktiv" sind und Monrose im Rahmen der gegebenen Möglichkeiten unterstützen. Foren sind keine reinen Info- und Spaßzentren, die nebeneinander bestehen. Sie suchen Kooperationsformen auf unterschiedlichsten Ebenen, um so die Effektivität des Support für Monrose zu steigern. Und auch das oftmals gescholtene Management von Starwatch scheint seine Hausaufgaben im Sinne der Mädels gut zu erledigen. Durch das Erscheinen der völlig neuen Single "Hot Summer" und der Arbeit an einem neuen Album setzt man klare Signale für die drei Grazien, für die Fans aber auch für die Musikindustrie. Die Botschaft des Managements lautet, wenn auch noch recht leiste geäußert "Volldampf voraus". Insgesamt muß man Pro7 und allen an der Entstehung der Band Monrose beteiligten Personen danken. Ich persönlich kennen nicht einen Grund, warum ich diese Band nicht auch noch in einem Jahr gerne sehen und hören sollte. Also, auf die nächsten 6 Monate und die vielen gemeinsamen Monaten danach. Danke an Mandy, Senna und Bahar für die vielen schönen Augenblicke, die ihr uns bisher ermöglicht habt. Weiter so! "Denn die Fans, die nach dem Konzert strahlend die Halle verlassen, haben noch lange nicht genug von Monrose.". Mit diesen Worten schließt ein Artikel der Badischen Zeitung.